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„Jetzt haben wir eigentlich nur den Raketenbaukasten. Die Rakete müssen wir erst noch bauen.“

Wie unser Game-Team den technologischen, organisatorischen und kulturellen Wandel gestaltet.
02.07.2025
„Jetzt haben wir eigentlich nur den Raketenbaukasten. Die Rakete müssen wir erst noch bauen.“
Unter der Führung von Harry und Hubert begibt sich das Game-Team von escape auf neues Terrain: Gemeinsam baut es die technologische Grundlage für die nächste Generation von Spielen.

Seit mehr als zwei Jahrzehnten entwickelt das Game-Team von escape Casinospiele für Merkur. Das Unternehmen mit Sitz im ostwestfälischen Lübbecke zählt zu den weltweit führenden Herstellern von Geldspielgeräten und Spielsystemen.

Heute steht das Team vor einer außergewöhnlichen Aufgabe: Während bereits das nächste Spiel entsteht, arbeitet es gleichzeitig an der technologischen Grundlage mit, auf der dieses und viele weitere Spiele künftig aufbauen sollen. Zwei Projekte, ein Team, ein enger Zeitplan – mitten in einem der größten technologischen Umbrüche der vergangenen 20 Jahre.

Der erste Impuls

Harry, du entwickelst seit über 20 Jahren Spiele für Merkur. Ende 2025 kam die Nachricht: Die technologische Grundlage wird komplett neu aufgebaut. Was war dein erster Gedanke? Und welcher kam direkt danach?

Harry: Na, hoffentlich wird das was. (lacht.) Nein, im Ernst: Grundsätzlich ist es etwas Schönes, wenn man noch einmal etwas Neues lernen kann. Gleichzeitig wusste ich sofort, wie viel Arbeit auf uns zukommt – weil ich die technologische Grundlage in den vergangenen 20 Jahren maßgeblich selbst mit aufgebaut habe.

Ich hatte sofort im Kopf, was das Ding alles können muss. Das ist Segen und Fluch zugleich, wenn man weiß: Da warten noch 30 oder 40 Baustellen auf einen. Aber genau das reizt mich auch. Wann bekommt man schon die Gelegenheit, 20 Jahre Erfahrung noch einmal auf eine neue Grundlage zu stellen?

Und wie hat der Rest des Teams auf die Nachricht reagiert?

Sina: Insgesamt sehr positiv. Ich persönlich freue mich riesig, Teil dieses Projekts zu sein – weil es unglaublich viele Möglichkeiten eröffnet.

Gleichzeitig ist das eine krasse Herausforderung. Wir haben mit der technologischen Umstellung und der Entwicklung eines neuen Spiels quasi ein Doppelprojekt. Parallel müssen wir die bestehenden Projekte auf der bisherigen Technologie zum Abschluss bringen. Der Respekt vor der Aufgabe ist groß. Aber die Freude, etwas Zukunftsfähiges aufzubauen, überwiegt eindeutig.

Chancen gestalten

Für Sina ist der Neustart vor allem eines: die Chance, neue Ideen umzusetzen und die Spieleentwicklung der kommenden Jahre aktiv mitzugestalten.

Warum der Neustart notwendig wurde

Nach über 20 Jahren Entwicklung: Warum war dieser Schritt aus eurer Sicht notwendig? Warum war jetzt der richtige Zeitpunkt?

Hubert: Irgendwann geht es nicht mehr darum, ob ein bestehendes System gut oder schlecht ist. Die entscheidende Frage lautet: Kann es auch die nächsten zehn oder zwanzig Jahre noch tragen?

Die Anforderungen an die Spieleentwicklung verändern sich. Entwicklungszyklen werden kürzer, internationale Märkte gewinnen an Bedeutung und gleichzeitig steigen die Ansprüche an Qualität. Dafür braucht es eine technologische Grundlage, die langfristig mitwachsen kann.

Aus unserer Sicht war dieser Schritt deshalb konsequent. Jetzt kommt es darauf an, unsere Erfahrung einzubringen, damit aus dieser strategischen Entscheidung auch eine stabile technische Basis entsteht.

Was macht dieses Projekt so außergewöhnlich?

Sina: Eigentlich alles. Neue Technologien, neue Arbeitsweisen, neue Strukturen – und gleichzeitig entwickeln wir schon das erste Spiel auf dieser neuen Basis. Wir lernen jeden Tag dazu und bauen dabei etwas auf, das weit über unser aktuelles Projekt hinausgeht. So eine Aufgabe bekommt man nicht oft. Genau das macht sie so spannend.

Hubert: Für uns ist das weit mehr als ein Technologieprojekt. Natürlich ist es auch wirtschaftlich wichtig – für Merkur genauso wie für uns. Vor allem aber ist es ein echter Change-Prozess. Er verändert nicht nur unsere technische Arbeit, sondern auch unsere Organisation, unsere Zusammenarbeit und unsere Kultur. Wir entwickeln heute anders als noch vor einem Jahr. Und ich glaube, genau dafür war jetzt der richtige Zeitpunkt.

KI im Entwicklungsalltag

Markus treibt voran, wie das Team das Potenzial von KI ausschöpft.

20 Jahre Erfahrung, neu gedacht

Gab es einen Moment, in dem euch bewusst wurde, wie viel Know-how sich in den vergangenen 20 Jahren angesammelt hat? Und was davon unbedingt in die Zukunft gehört?

Sina: Und wie! Irgendwie war das von Anfang an klar. Aber in den letzten Monaten ist besonders sichtbar geworden: Wenn man alles neu aufbaut, merkt man erst, wie viele kleine Entscheidungen eigentlich auf 20 Jahren Entwicklung beruhen.

Harry, du hast die technologische Grundlage über viele Jahre maßgeblich aufgebaut. Macht genau dieses Wissen den Neustart manchmal schwieriger – weil du besser als jeder andere weißt, was alles in den vergangenen 20 Jahren entstanden ist?

Harry: Ja, absolut. Schmerzhaft ist nicht, dass die eigene Arbeit weggeschmissen wird. Da steckt viel Gutes drin – aber eben auch Dinge, die heute anders gelöst werden können.

Es ist halt das Wissen, dass viel zu tun ist. Grundsätzlich ist die Entscheidung gut. Vorher hatten wir ein Fahrrad, wir können uns damit fortbewegen. Jetzt haben wir eine Rakete, naja… Im Moment haben wir eigentlich nur den Raketenbaukasten. Die Rakete müssen wir erst noch bauen. (Pause)

Ein paar Dinge sind dafür jetzt schon besser. Wir haben deutlich mehr Freiheiten, weil wir vorher in einem fertigen System oft ziemlich eingeengt waren. Sonderwünsche der Game Designer ließen sich manchmal nur schwer umsetzen. Heute haben wir viel mehr Möglichkeiten – müssen dafür aber auch mehr selbst entwickeln.

Markus: Gerade beim Neuaufbau wurde deutlich, wie viel Wissen sich über die Jahre angesammelt hatte. Vieles war bei den alten Kollegen nur im Kopf. Das ist eine Chance: Wir können viele Grundlagen neu legen und sauber dokumentieren. Zusätzlich können wir von vornherein ein Testframework aufbauen, mit dem wir einzelne Spielphasen gezielt testen können.

Vom Fahrrad zur Rakete

Wer 20 Jahre eine Plattform mitentwickelt hat, weiß am besten, was in ihr steckt.

Harry bringt dieses Wissen heute in den technologischen Neustart ein – mit Respekt vor der Aufgabe und Freude am Neuanfang.

Zwischenfazit zur Halbzeit

Inzwischen ist ungefähr Halbzeit. Wie fällt euer Zwischenfazit aus?

Harry: Es wird ein enges Höschen. (lacht.) Aber das gehört bei solchen Projekten dazu. Es ist schon öfter passiert, dass man zwischendurch denkt: Wie sollen wir das alles schaffen? Und am Ende fügt sich doch vieles zusammen. Entscheidend ist, dass wir heute eine Basis haben, auf der wir weiter aufbauen können.

Sina: Vor ein paar Monaten gab es diese Grundlage noch gar nicht. Heute arbeiten wir bereits damit. Vieles, was inzwischen selbstverständlich aussieht, musste erst entstehen. Natürlich gibt es noch offene Fragen – aber die gibt es in jedem Projekt. Das gehört einfach dazu.

KI-gestützte Arbeit, wie zum Beispiel für Analyse und Fehlersuche, gehört im Game-Team längst zum Werkzeugkasten.

Die Zukunft der Zusammenarbeit

Bei diesem Projekt arbeitet ihr nicht isoliert, sondern in engem Austausch mit Merkur Lübbecke und den Game-Design-Teams. Gleichzeitig bringt ihr eure Erfahrungen direkt in die Weiterentwicklung der Plattform ein. Hat sich eure Rolle dadurch verändert? Übernehmt ihr heute mehr Verantwortung als früher?

Sina: Mit wachsender Erfahrung bringen wir auch zunehmend unser Wissen in Entscheidungen ein – nicht nur für unser eigenes Projekt, sondern für die Plattform insgesamt. Wir sind an vorderster Front, wenn es um konstruktive Vorschläge oder Bugmeldungen geht. Wir sind froh, dass wir damit Gehör finden.

Harry: Ein gutes Standing hatten wir eigentlich schon immer. Wir haben auch früher schon kontrolliert, mitgesteuert, Feedback gegeben. Nur lief das früher mehr über Telefon und Chat, heute eben zunehmend über Confluence und Jira.

Hubert: Wir hoffen, dass unsere Impulse zum Teil auch dazu beitragen, stärker gemeinsame Leitplanken für alle Entwicklungen auszuarbeiten – Standards sind ein echter Mehrwert, nicht nur für unser Projekt, sondern für die gesamte Plattform.

Was macht euch zuversichtlich, dass sich dieser Weg langfristig auszahlt?

Markus: Der Grundgedanke ist immer derselbe: Wir wollen schneller und besser werden. Durch den neuen Aufbau wird es einfacher, Basisspiele zu entwickeln und Module wiederzuverwenden. Wo früher zwei bis drei Jahre nötig waren, soll künftig deutlich schneller entwickelt werden können. 

Wandel als Chance

Hubert begleitet die Transformation als strategischen wie kulturellen Wandel – mit dem Ziel, das Vertrauen aus über 20 Jahren Zusammenarbeit in eine tragfähige neue Basis zu übersetzen.

Hubert, Geschäftsführer der Game-Sparte bei escape

Wenn Erfahrung zum Standard wird

Gibt es dafür erste Anzeichen?

Markus: Andere Studios wollen bereits Module von uns übernehmen – zum Beispiel den Walzenlauf, den wir entwickelt haben. Daraus entstehen Synergien, durch die Spiele künftig schneller entwickelt werden können. Für uns ist das ein gutes Zeichen, dass wir unsere langjährige Erfahrung nicht nur in unsere eigenen Spiele einbringen, sondern in eine Grundlage, von der künftig auch andere Teams profitieren.

Hubert: Wir kennen natürlich nicht jedes Detail der strategischen Überlegungen bei Merkur. Aber den Grundgedanken verstehen wir gut: schneller werden, flexibler werden und eine Grundlage schaffen, die langfristig trägt. Unsere Aufgabe ist es, unsere Erfahrung so einzubringen, dass aus dieser strategischen Entscheidung auch eine gute technische Lösung wird.

Wie sollte die Zusammenarbeit mit Merkur und den beteiligten Teams in Zukunft aussehen?

Harry: Ich wünsche mir, dass wir diese enge Zusammenarbeit beibehalten. Die besten Lösungen entstehen dann, wenn Entwicklung, Game Design und Auftraggeber früh miteinander sprechen und gemeinsam Verantwortung übernehmen. Genau das leben wir in der Zusammenarbeit mit Merkur bereits.

Hubert: Nach über 20 Jahren Zusammenarbeit ist Vertrauen entstanden. Ich wünsche mir, dass wir genau darauf auch die nächsten 20 Jahre aufbauen – gemeinsam neue Ideen entwickeln, Verantwortung teilen und die Plattform gemeinsam weiterentwickeln.

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