
Seit rund 25 Jahren entwickelt das Game-Team von escape Casinospiele für die MERKUR GROUP. Das Unternehmen mit Sitz im ostwestfälischen Lübbecke zählt zu den weltweit führenden Herstellern von Geldspielgeräten und Spielsystemen.
Parallel mehrere Spiele zu entwickeln, gehört seit Jahren zum Alltag des escape-Teams. Neu ist, dass das Team diese Arbeit gleichzeitig mit der Entwicklung einer völlig neuen technologischen Plattform leisten muss – und dafür nur ein enges Zeitfenster zur Verfügung steht. Zwei Entwicklungsstränge, ein gemeinsames Ziel, ein straffer Zeitplan – in einem der größten technologischen Umbrüche, den MERKUR in den vergangenen 20 Jahren angestoßen hat.
Harry, du entwickelst seit über 25 Jahren Casinospiele für MERKUR. 2025 kam die Nachricht: Die technologische Grundlage wird komplett neu aufgebaut. Was war dein erster Gedanke? Und welcher kam direkt danach?
Harry: Na, hoffentlich wird das was. (lacht.) Nein, im Ernst: Grundsätzlich ist es etwas Schönes, wenn man noch einmal etwas Neues lernen kann. Gleichzeitig wusste ich sofort, wie viel Arbeit auf uns zukommt – weil ich die technologische Grundlage in den vergangenen 25 Jahren maßgeblich selbst mit aufgebaut habe. Ich hatte sofort im Kopf, was das Ding alles können muss. Das ist Segen und Fluch zugleich, wenn man weiß: Da warten noch 30 oder 40 Baustellen auf einen. Aber genau das reizt mich auch. Wann bekommt man schon die Gelegenheit, 25 Jahre Erfahrung noch einmal auf eine neue Grundlage zu stellen?
Und wie hat der Rest des Teams auf die Nachricht reagiert?
Sina: Insgesamt sehr positiv. Ich persönlich freue mich riesig, Teil dieses Projekts zu sein – weil es unglaublich viele Möglichkeiten eröffnet.
Gleichzeitig ist das eine ziemliche Herausforderung. Wir haben mit der technologischen Umstellung und der Entwicklung eines neuen Spiels quasi ein Doppelprojekt. Parallel müssen wir die bestehenden Projekte auf der bisherigen Technologie zum Abschluss bringen. Der Respekt vor der Aufgabe ist groß. Aber die Freude, etwas Zukunftsfähiges aufzubauen, überwiegt eindeutig.
Für Sina ist der Neustart vor allem eines: die Chance, neue Ideen umzusetzen und die Spieleentwicklung der kommenden Jahre aktiv mitzugestalten.

Nach über 25 Jahren Entwicklung: Warum war dieser Schritt aus eurer Sicht notwendig? Warum war jetzt der richtige Zeitpunkt?
Hubert: Irgendwann geht es nicht mehr darum, ob ein bestehendes System gut oder schlecht ist. Die entscheidende Frage lautet: Kann es auch die nächsten zehn oder zwanzig Jahre noch tragen?
Die Anforderungen an die Spieleentwicklung verändern sich. Entwicklungszyklen werden kürzer, internationale Märkte gewinnen an Bedeutung und gleichzeitig steigen die Ansprüche an Qualität. Dafür braucht es eine technologische Grundlage, die langfristig mitwachsen kann.
Aus unserer Sicht war dieser Schritt deshalb konsequent. Jetzt kommt es darauf an, unsere Engineering-Erfahrung einzubringen, damit aus dieser strategischen Entscheidung auch eine stabile technische Basis entsteht.
Was macht dieses Projekt so außergewöhnlich?
Sina: Eigentlich alles. Neue Technologien, neue Arbeitsweisen, neue Strukturen – und gleichzeitig entwickeln wir schon das erste Spiel auf dieser neuen Basis. Wir lernen jeden Tag dazu und bauen dabei etwas auf, das weit über unser aktuelles Projekt hinausgeht. So eine Aufgabe bekommt man nicht oft. Genau das macht sie so spannend.
Hubert: Für uns ist das weit mehr als ein Technologieprojekt. Natürlich ist es auch wirtschaftlich wichtig – für MERKUR genauso wie für uns. Vor allem aber ist es ein echter Change-Prozess. Er verändert nicht nur unsere technische Arbeit, sondern auch unsere Organisation, unsere Zusammenarbeit und unsere Kultur. Wir entwickeln heute anders als noch vor einem Jahr. Und ich glaube, genau dafür war jetzt der richtige Zeitpunkt.
Hubert begleitet die Transformation als strategischen wie kulturellen Wandel – mit dem Ziel, das Vertrauen aus der langjährigen Zusammenarbeit in eine tragfähige neue Basis zu übersetzen.

Gab es einen Moment, in dem euch bewusst wurde, wie viel Know-how sich in den vergangenen 25 Jahren angesammelt hat? Und was davon unbedingt in die Zukunft gehört?
Sina: Und wie! Irgendwie war das von Anfang an klar. Aber in den letzten Monaten ist besonders sichtbar geworden: Wenn man alles neu aufbaut, merkt man erst, wie viele kleine Entscheidungen eigentlich auf 25 Jahren Entwicklung beruhen.
Harry, du hast die technologische Grundlage über viele Jahre maßgeblich aufgebaut. Macht genau dieses Wissen den Neustart manchmal schwieriger – weil du besser als jeder andere weißt, was alles in den vergangenen 25 Jahren entstanden ist?
Harry: Ja, absolut. Schmerzhaft ist nicht, dass die eigene Arbeit weggeschmissen wird. Da steckt viel Gutes drin – aber eben auch Dinge, die heute anders gelöst werden können. Es ist halt das Wissen, dass viel zu tun ist. Grundsätzlich ist die Entscheidung gut. Vorher hatten wir ein Fahrrad, wir können uns damit fortbewegen.
Jetzt haben wir eine Rakete, naja… Im Moment haben wir eigentlich nur den Raketenbaukasten. Die Rakete müssen wir erst noch bauen. (Pause)
Ein paar Dinge sind dafür jetzt schon besser. Wir haben deutlich mehr Freiheiten, weil wir vorher in einem fertigen System oft ziemlich eingeengt waren. Sonderwünsche der Game Designer ließen sich manchmal nur schwer umsetzen. Heute haben wir viel mehr Möglichkeiten – müssen dafür aber auch mehr selbst entwickeln.
Markus: Gerade beim Neuaufbau wurde deutlich, wie viel Wissen sich über die Jahre angesammelt hatte. Vieles war bei den alten Kollegen nur im Kopf. Das ist eine Chance: Wir konnen viele Grundlagen neu legen und sauber dokumentieren. Zusätzlich können wir von vornherein ein Testframework aufbauen, mit dem wir einzelne Spielphasen gezielt testen können.
Wer mehr als zwei Dekaden eine Plattform mitentwickelt hat, weiß am besten, was in ihr steckt.
Harry bringt dieses Wissen heute in den technologischen Neustart ein – mit Respekt vor der Aufgabe und Freude am Neuanfang.

Inzwischen ist ungefähr Halbzeit. Wie fällt euer Zwischenfazit aus?
Harry: Es wird ein enges Höschen. (lacht) Aber das gehört bei solchen Projekten dazu. Es ist schon öfter passiert, dass man zwischendurch denkt: Wie sollen wir das alles schaffen? Und am Ende fügt sich doch vieles zusammen. Entscheidend ist, dass wir heute eine Basis haben, auf der wir weiter aufbauen können.
Sina: Vor ein paar Monaten gab es die neuen Grundlagen noch gar nicht. Heute arbeiten wir bereits damit. Vieles, was inzwischen selbstverständlich aussieht, musste erst entstehen. Natürlich gibt es noch offene Fragen – aber die gibt es in jedem Projekt. Das gehört einfach dazu.
Markus beschäftigt sich mit der Frage, wie KI den Entwicklungsalltag sinnvoll unterstützt. Gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen testet er neue Ansätze und entwickelt Arbeitsweisen, die den gesamten Entwicklungsprozess effizienter machen.

Bei diesem Projekt arbeitet ihr nicht isoliert, sondern in engem Austausch mit MERKUR Lübbecke und den Game-Design-Teams. Gleichzeitig bringt ihr eure Erfahrungen direkt in die Weiterentwicklung der Plattform ein. Hat sich eure Rolle dadurch verändert? Übernehmt ihr heute mehr Verantwortung als früher?
Harry: Ein gutes Standing hatten wir eigentlich schon immer. Wir haben auch früher schon kontrolliert, mitgesteuert, Feedback gegeben. Nur lief das früher mehr über Telefon und Chat, heute eben zunehmend über Confluence und Jira.
Sina: Das stimmt – zumindest für Harry. (lacht) Er hatte durch seine langjährige Zusammenarbeit schon früh ein hohes Standing. Für das Team als Ganzes hat sich dieses Vertrauen jedoch über die Jahre entwickelt. Mit wachsender Erfahrung bringen wir unser Wissen heute zunehmend in technische Entscheidungen ein – nicht nur für unsere eigenen Projekte, sondern für die Plattform insgesamt. Konstruktive Vorschläge und Bugmeldungen werden aufgegriffen und fließen in die Weiterentwicklung ein. Das zeigt, dass unsere technische Perspektive geschätzt wird.
Mit der Zeit sind daraus persönliche Kontakte und ein vertrauensvoller Austausch entstanden. Man kennt die Menschen hinter den Projekten, spricht offen miteinander und arbeitet gemeinsam an den besten Lösungen. Dadurch fühlt sich vieles heute eher wie die Zusammenarbeit eines gemeinsamen Teams an – und weniger wie eine klassische Kunden-Dienstleister-Beziehung.
Hubert
Genau das ist wahrscheinlich der entscheidende Unterschied. Es geht heute nicht mehr nur darum, einzelne Projekte erfolgreich umzusetzen. Mit der gewachsenen Zusammenarbeit können auch gemeinsame Leitplanken entstehen, von denen alle Entwicklungen profitieren.
Wenn unsere Impulse dazu beitragen, gemeinsame Standards zu etablieren, profitieren davon nicht nur wir, sondern alle Teams, die auf der Plattform entwickeln – und damit letztlich auch die MERKUR GROUP.
Was macht euch zuversichtlich, dass sich dieser Weg langfristig auszahlt?
Markus: Der Grundgedanke ist immer derselbe: Wir wollen schneller und besser werden. Durch den neuen Aufbau wird es einfacher, Basisspiele zu entwickeln und Module wiederzuverwenden. Wo früher zwei bis drei Jahre nötig waren, soll künftig deutlich schneller entwickelt werden können.
Gibt es dafür erste Anzeichen?
Markus: Andere Studios wollen bereits Module von uns übernehmen – zum Beispiel den Walzenlauf, den wir entwickelt haben. Daraus entstehen Synergien, durch die Casinospiele künftig schneller entwickelt werden können. Für uns ist das ein gutes Zeichen, dass wir unsere langjährige Erfahrung nicht nur in unsere eigenen Spiele einbringen, sondern in eine Grundlage, von der künftig auch andere Teams profitieren.
Hubert: Wir kennen natürlich nicht jedes Detail der strategischen Überlegungen bei MERKUR. Aber den Grundgedanken verstehen wir gut: schneller werden, flexibler werden und eine Grundlage schaffen, die langfristig trägt. Unsere Aufgabe ist es, unsere Erfahrung so einzubringen, dass aus dieser strategischen Entscheidung auch eine gute technische Lösung wird.
Wie sollte die Zusammenarbeit mit MERKUR und den beteiligten Teams in Zukunft aussehen?
Harry: Ich wünsche mir, dass wir diese enge Zusammenarbeit beibehalten. Die besten Lösungen entstehen dann, wenn Entwicklung, Game Design und Auftraggeber früh miteinander sprechen und gemeinsam Verantwortung übernehmen. Genau das leben wir in der Zusammenarbeit mit MERKUR bereits.
Hubert: Nach über 25 Jahren Zusammenarbeit ist Vertrauen entstanden. Ich wünsche mir, dass wir genau darauf auch die nächsten 25 Jahre aufbauen – gemeinsam neue Ideen entwickeln, Verantwortung teilen und die Plattform gemeinsam weiterentwickeln.