
Großveranstaltungen stellen digitale Systeme vor extreme Anforderungen: hohe Taktung, wechselnde Einsatzbedingungen und keine Zeit für Erklärungen. In diesem Tech Insights zeigen wir, wie eine bewusst reduzierte, browserbasierte Zutrittskontrolle mehrere tausend Teilnehmer:innen zuverlässig abfertigt – ohne App, ohne Badges, ohne Schulung. Der Beitrag beschreibt den technischen Ansatz hinter einer digitalen Zutrittskontrolle, wie sie u. a. bei Großveranstaltungen unserer Kundin DOAG im Einsatz ist.
Großveranstaltungen wie JavaLand oder andere DOAG-Konferenzen müssen innerhalb kurzer Zeit mehrere tausend Teilnehmer:innen abfertigen. Ziel war ein vollständig digitaler Check-in, der:
Der Fokus lag nicht auf Feature-Tiefe, sondern auf kontinuierlicher Abfertigung unter realen Bedingungen. Daraus ergaben sich vier Leitprinzipien:
Die Umsetzung folgte einem pragmatischen, kontextgetriebenen Architekturansatz, der speziell auf digitale Zutrittskontrollen bei Großveranstaltungen ausgelegt ist. Der Fokus lag auf hoher Betriebssicherheit, geringem Implementierungsaufwand und schneller Skalierbarkeit.
Schlanke Single-Page-JavaScript-Applikation (~400 LOC)
Asynchrone HTTP-Requests (fetch/AJAX)
Anbindung bestehender Backend-Systeme (u. a. Ticket- & Rollenlogiken)
Manuelle Tastatureingabe (Fallback)
Physische QR-Scanner an stationären PCs
Smartphone-Kameras als QR-Reader für mobile Stationen
Das System wurde bewusst nicht für geschulte Operator:innen entwickelt, sondern für den realen Einsatz durch Helfer:innen mit begrenzter Zeit und wechselnden Einsatzorten. Typische Rahmenbedingungen:
Daraus ergab sich eine selbsterklärende, fehlertolerante Interaktionslogik, die ohne erklärungsbedürftige UI-Elemente auskommt.
Eine zentrale Herausforderung war die Unterscheidung zwischen menschlicher Eingabe und Scanner-Input:
Menschen tippen unregelmäßig und langsam
Scanner senden extrem schnelle, gleichmäßige Zeichenfolgen
Die Lösung: Timing als Erkennungslogik. Eingaben, die innerhalb eines kurzen Zeitfensters (praxisbewährt < 200 ms) erfolgen, werden als Scanner-Input interpretiert. Der Schwellenwert wurde konservativ gewählt und im Live-Betrieb validiert.
Statt klassischer Benutzeroberflächen existieren klar definierte Systemzustände:
Grün → Einlass
Gelb → Prüfung erforderlich
Rot → Stopp
Die Applikation bestätigt Scans, setzt den Fokus automatisch zurück und bereitet sich selbstständig auf den nächsten Vorgang vor – ohne Klicks, ohne Navigation.
Ein weiterer zentraler Aspekt war die vollständige Vermeidung klassischer Setup- oder Konfigurationsdialoge. Helfer:innen sollten keine Einstellungen vornehmen oder Konfigurationen verstehen müssen.
Stattdessen werden Stationen durch das Scannen eines QR-Codes initialisiert. Rolle, Funktion und Berechtigungen werden serverseitig gesetzt und sind unmittelbar aktiv. Lokale Konfigurationen, Formulare oder UI-basierte Setups entfallen vollständig.
Dieser Ansatz reduziert die kognitive Last für das Personal erheblich und verhindert Fehlkonfigurationen – insbesondere bei häufig wechselnden Einsatzorten und Geräten.
Zur Missbrauchsvermeidung wurde Sicherheit früh in der Architektur verankert:
Einfach lesbare IDs (z. B. numerisch) nur für berechtigtes Personal
Helfer:innen arbeiten ausschließlich mit QR-Codes auf Hash-Basis
Kein massenhaftes Auslesen oder Zweckentfremden von Daten möglich
Die Stabilität des Systems resultiert nicht aus Optimierung, sondern aus bewusster Zurückhaltung:
Pro Check-in nur minimal notwendige Daten
Kein Overfetching
Gezielte, direkte Datenbankabfragen
Serverseitige Schutzmechanismen statt schwergewichtiger ORMs
Ergebnis: Antwortzeiten stabil unter einer Sekunde – auch unter Last.
JavaScript statt App → sofort einsatzfähig
Browser-native Input-Verarbeitung → keine Middleware
Nachladbare Oberfläche
Minimaler Datenzugriff pro Vorgang
Direkte SQL-Queries statt ORM
QR-basierte Konfiguration statt UI-Setup