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Tech Insights: Digitale Zutrittskontrolle für Großveranstaltungen – Architektur, UX & Performance
Wie eine schlanke, browserbasierte Zutrittskontrolle Großveranstaltungen zuverlässig abfertigt – Architektur, UX und Engineering aus der Praxis.
16.12.2023
Tech Insights: Digitale Zutrittskontrolle für Großveranstaltungen – Architektur, UX & Performance
Universelle Scan-Stationen im Einsatz: QR-Code-Scan zur Einlösung von Getränke-Vouchern mit selbst ausgedrucktem Ticket als Namensschild. Foto: Alex Muchnik und Schuchrat Kurbanov

Großveranstaltungen stellen digitale Systeme vor extreme Anforderungen: hohe Taktung, wechselnde Einsatzbedingungen und keine Zeit für Erklärungen. In diesem Tech Insights zeigen wir, wie eine bewusst reduzierte, browserbasierte Zutrittskontrolle mehrere tausend Teilnehmer:innen zuverlässig abfertigt – ohne App, ohne Badges, ohne Schulung. Der Beitrag beschreibt den technischen Ansatz hinter einer digitalen Zutrittskontrolle, wie sie u. a. bei Großveranstaltungen unserer Kundin DOAG im Einsatz ist.

Kontext & Zielsetzung

Großveranstaltungen wie JavaLand oder andere DOAG-Konferenzen müssen innerhalb kurzer Zeit mehrere tausend Teilnehmer:innen abfertigen. Ziel war ein vollständig digitaler Check-in, der:  

  • ohne physische Badges auskommt
  • keine App-Installation erfordert
  • auf vorhandener Hardware funktioniert
  • auch mit ungeschultem Personal stabil läuft

Der Fokus lag nicht auf Feature-Tiefe, sondern auf kontinuierlicher Abfertigung unter realen Bedingungen. Daraus ergaben sich vier Leitprinzipien:

  • Universalität: Browserbasiert statt App, z.T. Bring-Your-Own-Device-Ansatz
  • Robustheit: Reduzierte Architektur statt komplexer Abhängigkeiten
  • Verhalten: Klare Systemzustände statt klassischer klassischer UI-Flows
  • Performance: Antwortzeiten stabil unter einer Sekunde

Architektur einer digitalen Zutrittskontrolle

Die Umsetzung folgte einem pragmatischen, kontextgetriebenen Architekturansatz, der speziell auf digitale Zutrittskontrollen bei Großveranstaltungen ausgelegt ist. Der Fokus lag auf hoher Betriebssicherheit, geringem Implementierungsaufwand und schneller Skalierbarkeit.

  1. Technische Basis
  • Schlanke Single-Page-JavaScript-Applikation (~400 LOC)

  • Asynchrone HTTP-Requests (fetch/AJAX)

  • Anbindung bestehender Backend-Systeme (u. a. Ticket- & Rollenlogiken)

  1. Unterstützte Eingabemodalitäten
  • Manuelle Tastatureingabe (Fallback)

  • Physische QR-Scanner an stationären PCs

  • Smartphone-Kameras als QR-Reader für mobile Stationen

 Nutzer- & Domänenanforderungen

Das System wurde bewusst nicht für geschulte Operator:innen entwickelt, sondern für den realen Einsatz durch Helfer:innen mit begrenzter Zeit und wechselnden Einsatzorten. Typische Rahmenbedingungen:

  • Einsatz unter variablen, teils nicht planbaren Bedingungen
  • Nutzung stationärer PCs und Scanner sowie mobiler Smartphones
  • Keine Schulung oder Einrichtung vor Ort möglich

Daraus ergab sich eine selbsterklärende, fehlertolerante Interaktionslogik, die ohne erklärungsbedürftige UI-Elemente auskommt.

Engineering Highlights

Scanner-Erkennung über Timing

Eine zentrale Herausforderung war die Unterscheidung zwischen menschlicher Eingabe und Scanner-Input:

  • Menschen tippen unregelmäßig und langsam

  • Scanner senden extrem schnelle, gleichmäßige Zeichenfolgen

Die Lösung: Timing als Erkennungslogik. Eingaben, die innerhalb eines kurzen Zeitfensters (praxisbewährt < 200 ms) erfolgen, werden als Scanner-Input interpretiert. Der Schwellenwert wurde konservativ gewählt und im Live-Betrieb validiert.

Zustandsbasierte Interaktion statt UI-Flows

Statt klassischer Benutzeroberflächen existieren klar definierte Systemzustände:

  • Grün → Einlass

  • Gelb → Prüfung erforderlich

  • Rot → Stopp

Die Applikation bestätigt Scans, setzt den Fokus automatisch zurück und bereitet sich selbstständig auf den nächsten Vorgang vor – ohne Klicks, ohne Navigation.

Stationskonfiguration ohne Setup-Dialoge

Ein weiterer zentraler Aspekt war die vollständige Vermeidung klassischer Setup- oder Konfigurationsdialoge. Helfer:innen sollten keine Einstellungen vornehmen oder Konfigurationen verstehen müssen.

Stattdessen werden Stationen durch das Scannen eines QR-Codes initialisiert. Rolle, Funktion und Berechtigungen werden serverseitig gesetzt und sind unmittelbar aktiv. Lokale Konfigurationen, Formulare oder UI-basierte Setups entfallen vollständig.

Dieser Ansatz reduziert die kognitive Last für das Personal erheblich und verhindert Fehlkonfigurationen – insbesondere bei häufig wechselnden Einsatzorten und Geräten.

Sicherheitslogik auf Eingabe-Ebene

Zur Missbrauchsvermeidung wurde Sicherheit früh in der Architektur verankert:

  • Einfach lesbare IDs (z. B. numerisch) nur für berechtigtes Personal

  • Helfer:innen arbeiten ausschließlich mit QR-Codes auf Hash-Basis

  • Kein massenhaftes Auslesen oder Zweckentfremden von Daten möglich

Performance durch architektonische Reduktion

Die Stabilität des Systems resultiert nicht aus Optimierung, sondern aus bewusster Zurückhaltung:

  • Pro Check-in nur minimal notwendige Daten

  • Kein Overfetching

  • Gezielte, direkte Datenbankabfragen

  • Serverseitige Schutzmechanismen statt schwergewichtiger ORMs

Ergebnis: Antwortzeiten stabil unter einer Sekunde – auch unter Last.

Zentrale Engineering-Entscheidungen

  • JavaScript statt App → sofort einsatzfähig

  • Browser-native Input-Verarbeitung → keine Middleware

  • Nachladbare Oberfläche

  • Minimaler Datenzugriff pro Vorgang

  • Direkte SQL-Queries statt ORM

  • QR-basierte Konfiguration statt UI-Setup


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